Besprechen, Böten, Abbeten...die alte Kunst durch Gebete zu heilen
Das Heilen mittels Sprüchen und Gebeten ist eine spirituelle Heilmethode, die in zahlreichen unterschiedlichen Kulturen Anwendung findet.
Im deutschen Raum ist sie seit weit mehr als tausend Jahren fester Bestandteil der Volksheilkunde. Noch vor weniger als hundert Jahren hatte fast jedes Dorf einen Heilkundigen, der sich auf diese Kunst verstand. Sie ist unter anderem unter den Bezeichnungen Besprechen, Versprechen, Verbeten, Abbeten, Böten und Raten bekannt. Die Bezeichnungen variieren je nach Region.
Durch die immer genauer werdenden Diagnose- und Therapieverfahren der Schulmedizin und dadurch, dass ärztliche Behandlungen inzwischen für jeden erreichbar und bezahlbar sind, verlor die Kunst des Besprechens zunehmend an Bedeutung. Heute ist sie in den meisten Fällen nur noch im Zusammenhang mit dem Besprechen von Warzen und Gürtelrose bekannt.
Ursprünglich wurde das Besprechen jedoch für jede Art von Krankheit oder gesundheitlichem Problem verwendet, so z.B. bei Fieber, Knochenbrüchen oder blutenden Wunden.
Die meisten bis heute überlieferten Heilgebete weisen eine stark christliche Prägung auf. Die Wurzeln des Besprechens reichen jedoch weit bis in die vorchristliche, heidnische Zeit zurück, wie beispielsweise der zweite Merseburger Zauberspruch eindrucksvoll belegt. In ihm wird die Macht Wodans/Odins angerufen um einen Knochenbruch, eine Verrenkung oder eine Verstauchung zu heilen.
Besprechen ist an keine bestimmte Religion gebunden, sondern von jeder Person ausübbar, die im Gebet eine Verbindung zum Göttlichen Ursprung finden kann. Ob dieses Göttliche Jesus, Buddha, Universum, Große Göttin oder Mutter Natur genannt wird, ist absolut zweitrangig. Entscheidend ist die Intention und die Aufrichtigkeit des Heilers und der Wunsch nach Heilung des Hilfesuchenden.
Früher wurde die Kunst des Gesundbetens nur in der Familie oder im engen Bekanntenkreis weitergelehrt. Heute steht die Ausübung dieser Kunst glücklicherweise nicht mehr unter Strafe, wodurch sie von jedem Menschen erlernt werden kann. Jedoch verhält es sich auch beim Heilen durch Beten wie beim Kochen oder Zeichnen: Manche sind Naturtalente, während es anderen eher schwer fällt.
Traditionell gibt es für jede Art von Leiden bestimmte auf das Leiden zugeschnittene Gebete. Im hingebungsvollen Gebet binden wir uns bewusst an das Göttliche an und können dessen Licht und Wärme fühlen. Durch die Weitergabe dieses Lichtes und dieser Wärme an den Patienten wird dessen Heilungsverlauf begünstigt und unterstützt. Das Göttliche offenbart sich in vielen Formen, welche wir davon als Ziel unserer Heilgebete wählen, bestimmt die persönliche Neigung des Heilers. Jedes Angesicht des Göttlichen ist so viel wert wie ein anderes. Auch Engel oder Ahnen können als Mittler zu diesem göttlichen Ursprung wertvolle Helfer sein.
Das Gebet ist oft recht kurz, wie ein Spruch. Es wird je nach Art drei- oder neunmal wie ein Mantra wiederholt. Die Behandlung wird in der Regel dreimal wiederholt. Bei Bedarf auch öfter oder durch „Fernheilung“, d.h. der Heiler kann sich am anderen Ende der Welt als sein Patient aufhalten.
Das Besprechen rückt vor allem in spirituellen Kreisen wieder mehr in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Die moderne Schulmedizin hält sehr wirksame Mittel bereit, um den menschlichen Körper im Falle einer Krankheit oder einen Unfalls zu behandeln. Zusätzlich zu dieser materiellen Behandlung ist es ratsam, die Seele des Patienten mitzubehandeln und so den Heilungsverlauf zu begünstigen. Das Gesundbeten ist eine geeignete Form die ärztliche Therapie zu unterstützen. Sie sollte diese niemals ersetzen!
Es bleibt zu wünschen, dass sich immer mehr Menschen für dieses Kapitel unseres kulturellen Erbes zu interessieren beginnen und die Kunst des Besprechens erlernen und erhalten.
Eine Möglichkeit dazu biete ich in meinen Seminaren und Fernkursen.
Jenny Oehme
16. September 2010