Die Alraune ~ Mandragora officinarum
Gattung:
Mandragora (Alraunen)
Familie:
Solanaceae (Nachtschattengewächse)
Alternative Namen:
der Alraun, das Alruneken, Arun, Oraunl, Uraundl, die Alruncke, Baaras, Galgenmännlein, Galgenmännchen, Heinzelmännlein, Heckenmännchen, Springwurz, Dollwurz, Wurzelknecht, Zauberwurzel, das Weiblein (Köbl´s Kräuterfibel 1982), Liebesapfel, arab. Teufelsapfel, isländ. Diebeswurzel
Verbreitung:
Mittelmeerraum von Portugal bis Griechenland, Nordafrika, Naher Osten, Kleinasien über Zentralasien bis in den Himalaya
Standort:
Ödlandbewohnerin, trockene, sonnige bis halbschattige Standorte auf sandigem Boden, beispielsweise an Wegrändern, Olivenhainen und Ruinen
Stark giftig!
Mythen und Geschichte:
Die Alraune ist eine sagenumwobene Heil- und Zauberpflanze, deren Verwendung seit der Antike belegt ist. Sie scheint sogar bereits Erwähnung in der Bibel zu finden, doch bleibt diese Annahme Spekulation und ist noch nicht ausreichend belegt. Besonders hohen Bekanntheitsgrad erreichte die Mandragora in unserer Zeit durch den zweiten Teil von Harry Potter von J.K. Rowling, in dem ihre Wurzel als hässlicher, schlammbeschmierter Säugling beschrieben wird, aus dessen Kopf Blätter wachsen. Sie werden im Rahmen einer Unterrichtsstunde von den Schülern „geerntet“, wobei es besonders wichtig ist, dass man sich vorher die Ohren verstopft. Der Schrei, den die Wurzel ausstößt, wenn sie aus der Erde gezogen wird, ist nämlich nicht nur ohrenbetäubend, sondern sehr gefährlich. Dass dieser Teil der Geschichte nicht von Rowling selbst erdacht wurde, sondern auf mittelalterlichem Sagengut basiert, werden wir noch sehen.
Bei Teophrast, einem Schüler Aristoteles´ wird die Alraunwurzel explizit als Aphrodisiakum erwähnt. Man sollte die Pflanze vor der Ernte dreimal mit dem Schwert umkreisen und mit nach Westen gerichtetem Gesicht (In der heutigen magischen Lehre gilt der Westen als Himmelsrichtung des Elementes Wasser, das u.a. mit Emotionen, wie beispielsweise der Liebe in Verbindung gebracht wird.) ausgraben, während eine zweite Person im Kreis tanzte und die Liebeskraft der Wurzel besang und beschwor.
Die Früchte der Alraune sollen der Liebesgöttin Aphrodite geweiht gewesen sein, die deshalb auch den Beinamen Mandragoritis trug.
Im Mittelalter florierte der Handel mit Alraunewurzeln. Meist wurde Fälschungen, also geschnitzte Wurzeln von anderen Pflanzen, verkauft. Sie galten als Zaubermittel, wurden als Amulett (z.B. gegen bösen Zauber oder Verwundungen) getragen, für Liebeszauber verwendet und sollten Geld und Ehren bescheren. Man nannte die Alraune auch Galgenmännchen da man ihr nachsagte, dass sie häufig unter Galgen oder Bäumen wuchs, an denen Diebe oder ähnliches Gesindel aufgehängt wurde. Der gute Wuchs der Alraune sollte dabei am letzten Samenerguss, manchmal auch am Urin, des Hingerichteten liegen, der auf die Erde tropfte. Wahrscheinlicher ist, dass die Alraune deshalb gut unter Galgen gedieh, da diese oft auf Schuttplätzen außerhalb der Stadt errichtet waren und die Alraune einen solchen Boden bevorzugt.
Als Männlein wurde die Alraune bezeichnet, da ihre tiefreichende Pfahlwurzel eine menschenähnliche Gestalt annehmen konnte, was sicherlich zu ihrer zunehmenden Belegung mit Legenden beitrug.
Die Einteilung in männliche und weibliche Alraunen geht wahrscheinlich auf Dioskurides zurück. Die weibliche Alraune erkennt man an ihrem glatten Blattrand, sie wurde früher als Herbst-Alraune bezeichnet. (Mandragora autumnalis). Inzwischen wird sie in der Botanik nicht mehr gesondert betrachtet. Der Blattrand der männlichen Alraune ist stark gewellt.
Zeitweise galt die Pflanze im Mittelalter als eine Art Sagengestalt, ähnlich wie Nessie oder Einhörner. Ihr wurde also keine reale Existenz zugeschrieben. Zuviele Mythen rankten sich um sie und zu selten war sie in der Natur tatsächlich aufzufinden- gerade in unseren Breiten überhaupt nicht.
Man sagte, dass derjenige, der die Wurzel erntete, sterben müsse oder zumindest dem Wahnsinn verfiel. Als Hauptgrund wurde dabei der Schrei der Alraune angegeben, wie bereits weiter oben erwähnt. Man sollte sie deshalb folgendermaßen ernten: Man bindet einen Strick an die Alraune und das andere Ende des Strickes an den Schwanz oder Hals eines Hundes. Danach schlägt man drei Kreuze über der Pflanze und hält sich in einiger Entfernung die Ohren zu, um den Hund zu sich zu locken, der dabei die Alraune aus dem Boden zieht. (Angeblich noch 1820 auf dem Leineberg bei Göttingen praktiziert.)
Selbstverständlich wurde die Alraune zunehmend verteufelt und ihr Besitz konnte zur Hinrichtung führen, da man meinte, dass für ihren Besitz und ihren Einsatz als Zaubermittel ein Bündnis mit dem Teufel nötig wäre.
Der Name Alraune stammt vom althochdeutschen adal -edel, edle Gesinnung und rûna- Zauber, Geheimnis (vgl. Runeund raunen). Er findet sich auch als weiblicher Vorname als Alruna, Aelrun, Alrun, Adelrun usw. Laut Grimm wurde die Pflanze gar nach der altgermanischen Seherin Alruna benannt. Andere Quellen meinen, dass Alruna generell die germanische weise, zauberkundige Frau bezeichnete. Definitiv sind die beiden Worte auf den selben Ursprung zurückzuführen. Die Mandragora wurde auch oft als Kröte, Hund oder Drache (vgl. engl. Bezeichnung mandrake, man- Mann o. Mensch, drake- Drache) gedacht
Als Räucherung soll das Kraut der Pflanze stark enthemmend wirken. Hierbei sei noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Alraune zu den Giftpflanzen gehört!
Dieser Text ist Eigentum von Jenny Oehme, 30. Oktober 2010
Quellen:
Golther, Wolfgang, Handbuch der Germanischen Mythologie, marixverlag, 2004
Müller-Ebeling, Rätsch; Zauberpflanze Alraune, Nachtschatten Verlag 2004
Storl, Rätsch, Müller-Ebeling; Hexenmedizin, AT, 1999